Verschiedene Kameras

Welche Kamera soll ich mir kaufen? – Empfehlung vom Fotografen

Oft bekomme ich von Freunden, Kunden, … die Frage gestellt: „Welche Kamera kannst du mir empfehlen?“ Ich will an dieser Stelle einen Vergleich, wenn auch etwas überspitzt, darstellen. Kommt ein Mann in ein Autohaus und sagt: „Ich will ein Auto kaufen!“ Jetzt sollte schnell klar sein, dass man nicht direkt mit einer vernünftigen Antwort rechnen darf. Als Fotograf möchte ich euch hier ein paar Tipps für die richtige Auswahl der Kamera geben.

Gerne starte ich in dem Fall mit einer Gegenfrage. Was bzw. wie soll in erster Linie fotografiert werden? Wer lediglich ein paar hübsche Urlaubsfotos machen möchte, benötigt ganz sicher keine Spiegelreflexkamera. Falls Ambitionen für die Fotografie bestehen, könnte man über eine kleine DSLR (Abk. für digitale Spiegelreflexkamera) nachdenken. Wer ambitionierter fotografieren möchte und eine Kamera für ein Fotoshooting sucht, sollte wissen, dass vor allem gute Objektive wichtig sind!

Fotografieren ist für Jedermann bezahlbar!

Mittlerweile gibt es kleine Spiegelreflexkameras schon für unter 300€. Vor einigen Jahren war das unvorstellbar! Meine erste DSLR habe ich vor ca. 12 Jahren gekauft und musste satte 1.000€ auf den Tisch legen. Das die heutige 300€ DSLR deutlich besser sind als meine damalige 1.000€ DSLR brauch ich wohl nicht zu erwähnen. Neben den kleinen Kompaktkameras und den meist besser ausgestatteten DSLR-Kameras gibt es eine Reihe weiterer Gruppierungen wie z.B. SLT (Single Lens Translucent mirror) und Bridgekameras (das ist ein Kameraklasse zwischen Amateur und Profi), auf die ich an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingehen will, da es meiner Ansicht nach Exoten sind.

Für wen sind Kompaktkameras geeignet und wer sollte eher zur Spiegelreflex greifen?

Kompaktkameras sind wie der Name schon sagt, kompakt, also klein und leicht, wodurch sie ideal sind um sie immer dabei zu haben. Die Männer haben die Kamera z.B. immer im Handschuhfach oder am Gürtel, die Frauen natürlich in der Handtasche 😉 Somit verpasst man keinen Moment im Leben. Gerade im Urlaub sind diese Kameramodelle, die es meist schon ab 90€ gibt, von Vorteil. Man spart Gewicht und Platz im Gepäck. Für ca. 150€ sollte man aktuell, das heißt Stand 15.01.2013, eine vernünftige Kompaktkamera bekommen. Die Modelle darunter sind oftmals nicht so gut verarbeitet oder verwenden noch alte Technik. Modelle über 300€ haben oft Funktionen bei den man sich selbst fragen muss, ob man diese ernsthaft braucht bzw. wirklich nutzen wird. 3D, GEO-Tagging, WLAN und vor allem Touchscreens sind hier eher als Spielerei anzusehen.

Gerne würde ich euch an dieser Stelle Kamera XY vom Hersteller BlabliBlupp empfehlen, allerdings kommen fast täglich neue Modelle dazu, so dass ich euch mit meinem Blogeintrag lediglich aufzeigen kann welcher Kameratyp für wen am geeignetsten ist.

Vorteile einer Kompaktkamera:

• Preis

• geringeres Gewicht und Größe

• leichter zu bedienen als DSLR-Kameras

• bei guten Lichtverhältnissen ähnlich gute Bildqualität wie bei DSLR-Kameras

Kompaktkameras gibt es in allen Farben
Kompaktkameras gibt es in allen Farben

Wer mit seiner aktuellen Kompaktkamera nicht zufrieden ist, weil man beispielsweise Zeit, Blende oder den Fokus nicht manuell einstellen kann, der sollte sich im Einstiegsbereich der DSLRs umschauen. Mit diesen Kameramodellen sind einem kaum noch Grenzen gesetzt, denn man ist nicht mehr durch Automatikprogramme eingeschränkt. Fotografen nutzen immer solche Kameras. Gerade die Einstiegsmodelle haben natürlich auch noch Automatikprogramme, aber wer diese ausschließlich nutzt, hätte wohl auch eine Kompaktkamera kaufen können und somit einiges an Geld sparen können. Das gesparte Geld könnte man besser in einen Grundkurs für Fotografie investieren oder sich Lehrbücher-/ Videos holen.

Als Fotograf hört man nicht gerne den Satz „Ihre Kamera macht aber gute Fotos!“, das liegt daran, dass die Kamera keine Ideen entwickelt, wichtige Momente entdeckt oder das Licht perfekt setzt. Eine gute Ausrüstung hilft einem lediglich dabei seine Ideen technisch gut umzusetzen. Die Spiegelreflexkamera eignet sich daher optimal für Leute, die Ihre Kreativität ausleben wollen und mit Kompaktkameras an die technischen Grenzen stoßen. Für Technikinteressierte gibt es außerdem sehr viel Zubehör, durch welches die Kamera optimal an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Für mich als Hochzeitsfotograf ist eine gute Kamera wichtig. Wichtiger sind jedoch lichtstarke Objektive und mein Kameragurt, an den nicht nur eine sondern zwei bzw. sogar drei Kameras passen. Der Tragekomfort und das Handling ist deutlich besser.

Vorteile einer DSLR:

• kaum technische Einschränkungen/ mehr Kreativität

• robuster (Magnesium-Druckguss-Gehäuse bei Semi-/ professionellen DSLR) und besser verarbeitet

• höheres Gewicht reduziert Verwackler

• auch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Bildqualität

• Objektive wechselbar/ flexibel einsetzbar

• sehr viel Zubehör

DSRL Empfehlung Canon EOS 5D Mark II + Canon 70-200mm 2,8L IS II USM
Canon EOS 5D Mark II + Canon 70-200mm 2,8L IS II USM

Investiert in gute Objektive!

Einer der Gründe für den Kauf einer Spiegelreflex ist sicher die Möglichkeit verschiedene Objektive an einer Kamera benutzen zu können. Für jede Aufnahme gibt es das passende Objektiv, teilweise sehr spezielle Modelle wie TS-Objektive, welche Verwendung bei der Architekturfotografie finden, da man sogenannte stürzende Linien vermeiden kann. Beliebt, aber ebenfalls nicht ganz günstig sind Fish-Eye-Linsen mit denen sich sehr witzige und ausgefallene Fotos machen lassen, da sie das Bild stark verzerren.

Welche Kamera kaufen Canon Objektive von 16 bis 200mm
Canon Objektive von 16 bis 200mm

Wer beim Kamerakauf sehr auf das Geld achten muss, dem rate ich eher zu einer günstigen DSLR oder ggf. einer gebrauchten Kamera. Für wenig Geld kann man sich gute Objektive kaufen, beispielsweise eine 50mm Festbrennweite, die man oft für unter 100€ kaufen kann. Diese Optiken sind oftmals sehr lichtstark, wodurch auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen fotografiert werden kann. Ein weiterer Vorteil bei Festbrennweiten mit einer Offenblende von 2.8 oder besser ist, dass man wunderbar mit der geringen Tiefenschärfe spielen kann.

Für manche ist es ein Nachteil, dass man bei einer Festbrennweite den Bildausschnitt nicht mit einem Dreh am Zoomring ändern kann, sondern seine Beine bewegen muss, wenn man den Bildausschnitt ändern will. Ich sehe es eher als Vorteil an, da man so andere und vor allem mehr Perspektiven entdeckt und die Qualität der Fotos steigt. Somit kommen wir zum Punkt Qualität statt Quantität. Beim Fotografieren mit Festbrennweiten nimmt man sich automatisch mehr Zeit für die Bildgestaltung wodurch man logischerweise nicht so viele Fotos machen kann wie mit einem Zoomobjektiv. Nach dem Fotografieren spart sich viel Zeit, da nicht so viele ähnliche Fotos entstehen, die im Anschluss eh gelöscht oder nie wieder angesehen werden.

Zusammenfassung

Da sich die heutigen Kameras in Sachen Bildqualität kaum noch unterscheiden, braucht man eigentlich keine Kameratests und Vergleiche studieren. Am besten schaut man sich die Kameras einer Preisklasse, die für einen in Frage kommt, im Fachgeschäft oder bei Saturn und Co. an. Schnell werdet ihr Unterschiede bei der Verarbeitung feststellen bzw. ob die Tasten z.B. viel zu klein und dicht bei einander sind. Nach Möglichkeit solltet ihr euch die Menüführung anschauen. Ist das Menü und die Bedienung der Kamera intuitiv oder muss man erst das Handbuch durchlesen um gescheite Fotos machen zu können? Sicher haben Freunde und Bekannte von euch Kameras, fragt nach, ob ihr diese für einen Tag testen dürft und was den Personen an der Kamera gefällt oder welche Dinge stören. Wichtig ist, dass man sich nicht von schönen bunten Bildern auf dem kleinen Display begeistern lässt, sondern diese auf einem großen PC-Monitor ansieht!

mm

Autor Malte Reiter

Malte Reiter (33) ist Unternehmens- und Hochzeitsfotograf. Er fotografiert seit dem 18. Lebensjahr gewerblich für diverse Firmen und Privatleute. Im Januar 2012 eröffnete Malte Reiter sein erstes Fotostudio. Seit April 2016 besitzt er eine umgebaute Kirche als modernes Fotostudio.

Mehr über den Fotografen

9 thoughts on “Welche Kamera soll ich mir kaufen? – Empfehlung vom Fotografen

  1. Toller Beitrag, super. Kann ich nur empfehlen sich vor dem Kauf gut zu informieren für welches System man sich entscheidet.

  2. Huhu,

    kannst du bitte vernünftig mit ’n‘ schreiben, bei deiner Variante graut es einem ja O.o

    Hast du einen Tipp, welche Kamera für typische Blog Fotografie geeignet ist? Ich knipse Essen, Produkte und dies vor allem ohne Tageslicht und ohne großartige Fähigkeiten. Da ich arm durch Krankheit bin, muss ich mir eine günstige anschaffen, die es am besten schon gebraucht gibt.

    Mir ist es mit am wichtigsten, dass die Kamera keine Stunden braucht um endlich auszulösen, da ich sehr schnell sehr schmerzende lahme Arme habe 🙁 meine jetzige Digicam braucht ewig und dann ist doch alles unscharf. Auch mit Stativ ist es unscharf, rot kann sie gar nicht, da überschlagen sich die Farben und ein Tomatengericht kann ich gar nicht fotografieren.

    Auch sollte die pixel Angabe realistisch sein und nicht auf der Speicherkarte überschrieben werden, hab gehört dass es da wohl schwachsinnig hohe Megapixel gibt.

    Meinst du, du kannst mir helfen?

    Liebe Grüße
    Nidi

    1. Hallo Nidi,

      das kann ich natürlich, habe es sofort geändert, danke für den Hinweis!

      DSRLs sind eigentlich immer sehr schnell und mittlerweile gibt es sie günstig (neu ab ca. 400€ oder gebraucht ab 200€). Auf Megapixelangaben brauchst du eigentlich gar nicht mehr achten, außer du willst riesen Poster von deinen Bildern drucken.
      Die Spiecherkarte hat mit den Pixeln nicht viel zu tun, außer dass sie dort gespeichert werden. Es kann höchstens sein, dass die Kamera die Auflösung interpoliert, also hochrechnet, aber das findet man heutzutage in Kamera immer seltener.

      Viele Grüße
      Malte

      1. Huhu,

        danke sehr.

        Ich habe einen Bericht im TV gesehen, dass diese sehr hohen Pixel einer Kamera, zu digitalen Überschreibungen auf einer Speicherkarte führen. Also wie das nun genau abgehen soll ist mir auch schleierhaft. Aber Kontext war, dass es ab ca 10 mp keinen Sinn macht. Oder vielleicht ist die Fotoabspeicherung in der Kamera gemeint, der Vorgang wie die Kamera auf die Speicherkarte abspeichert. Es sollen Pixel mehrfach belegt werden und so zu Bildfehlern führen.

        Noch nie gehört?

        Wie einfach kann mann eine DSRL bedienen, wenn man null Ahnung von Iso, Belichtungswerten und sonstigen Fotoeinstellungen hat? Ich stelle nie was selber ein, dafür bin ich zu dumm 😀

        Lg
        Nidi

        1. Auch Spiegelreflexkameras haben Automatikprogramme wo man eigentlich nichts einstellen brauch, aber gerade die richtigen Einstellungen und das Wissen machen gute Fotos. Die Kameras sind lediglich ein Werkzeug dazu 😉

  3. Vielen Dank für deine Ratschläge. Das einzige dem ich nicht ganz zustimme, ist die Feststellung: „Da sich die heutigen Kameras in Sachen Bildqualität kaum noch unterscheiden, braucht man eigentlich keine Kameratests und Vergleiche studieren.“ Ich habe dabei, was das Bildrauschen bei höheren ISO-Werten betrifft, leider sehr schlechte Erfahrungen, das sollte man unbedingt berücksichtigen. Eventuell eine Kamera mit geringerer Auflösung nehmen, die haben meistens auch weniger Bildrauschen. Darf ich übrigens kurz fragen, ob hier jemand Erfahrung mit der Canon CashBack-Aktion gemacht hat?

    Lg, Peter

    1. Hallo Peter,

      da hast du Recht und aus dem Grund habe ich geschrieben, dass sie sich kaum noch unterscheiden, denn zB beim Bildrauschen merkt man ggf. Unterschiede zwischen den Modellen. Ich denke das hängt auch sehr von der Preisklasse ab. Es gibt Kameras mit hoher Auflösung die weniger Bildrauschen haben als welche mit geringer Auflösung. Wirklich schwer hier pauschale Aussagen zu machen. Meinen Blogeintrag habe ich bewusst für Laien geschrieben, daher habe ich auch 1-2 Aussagen pauschalisiert.

      Der Canon CashBack-Aktion habe ich in der Vergangenheit schon 1-2 Mal genutzt, wirklich eine super Sache. Hast du konkrete Fragen dazu?

      Ein Tipp noch: Objektive kann man gut gebraucht oder neu im Internet kaufen. Kameras hingegen würde ich eher im Laden vor Ort kaufen, auch wenn man ggf. 50-100€ mehr bezahlt!

      Viele Grüße
      Malte

  4. Hi malte, schöner artikel. Für bilder im low light bereich ohne stativ eher die canon 700d oder die nikon d5200? Oder doch was ganz anderes?! Danke und viele grüße, denis

    1. Hallo Denis,

      da kann ich dir leider nicht weiter helfen, da ich beide Kameras nicht habe. Über die Googlesuche wirst du sicher sehr viele Tests und Vergleiche finden, aber ob die alle zu einem Ergebnis kommen ist wieder eine andere Frage. Was auf jeden Fall hilft, sind Lichtstarke Objektive. Eine 50er Festbrennweite mit einer Blende von 1.8 gibt es meist für um die 100€.

      Viele Grüße
      Malte

Comments are closed.