Wie fotografiere ich am besten Feuerwerk?

Nun mache ich endlich das was ich bereits vor Jahren machen wollte – euch ein kleines Tutorial schreiben wie man zu ansehnlichen Feuerwerkfotos kommt. Ich wurde schon oft gefragt wie ich meine Feuerwerksbilder so hin bekomme und meistens habe ich auf freundliche Anfragen eine ausführliche Antwort gegeben, also ist es nun an der Zeit, zumindest die Grundlagen der Feuerwerksfotografie jedem verständlich zu erklären.

Feuerwerk in Berlin
Pyromusikale 2009 in Berlin

Wo/ wie finde ich ein Feuerwerk?

Bevor wir ein Feuerwerk fotografieren, brauchen wir natürlich erst ein Mal ein Feuerwerk, daher empfehle ich euch den Feuerwerk-Kalender. Sicher gibt es bald auch ein Feuerwerk in deiner Nähe und falls nicht, müsst ihr eben eine weitere Anfahrt in Kauf nehmen, meistens wird man mit einem farbenprächtigen Ereignis belohnt!

Der frühe Vogel…macht die guten Fotos

Bei der Feuerwerksfotografie ist es wichtig einen guten Standort zu wählen und somit ist es fast unverzichtbar vor anderen Zuschauern da zu sein. Die Uhrzeit hängt davon ab wie groß das Ereignis ist, ob mit gutem Wetter zu rechnen ist, usw. Nehmen wir als Beispiel „Rhein in Flammen“ in den Bonner Rheinauen (findet jeden ersten Samstag im Mai statt).

Bonner Rheinauen
Wer jetzt erst kommt, wird es schwer haben einen guten Fotoplatz zu finden

Das Feuerwerk beginnt dort meistens gegen 23.15 Uhr und mich trifft man dort ab ca. 17.00 Uhr an. Bedenkt bei der Standortwahl, dass viele Zuschauer erst kurz vorm Feuerwerk kommen und sich ggf. vor euch stellen, daher ist es ratsam etwas erhöht zu stehen oder wenn es das Weitwinkelobjektiv bzw. der Abstand zum Feuerwerksabbrennplatz es zulässt, in der ersten Reihe zu stehen.

Kommen wir nun zu den harten Fakten.

Hardware

  • Kamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten
  • Weitwinkelobjektiv
  • Stativ
  • Kabelauslöser (kein Funkauslöser, da diese leicht verzögert auslösen)

TIPP

  • eine Taschenlampe oder Stirnlampe ist sehr hilfreich beim Auf- und Abbau der Kameraausrüstung

Einstellungssache

  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • Blende zwischen 3.5 und 18
  • Verschlusszeit am besten via „B“ Bulb-Modus nach Gefühl wählen
  • manuell den Fokus auf unendlich stellen
  • wie bei jedem Foto sollte die Kamera auf RAW stehen

Es geht los

Sicherlich denken sich nun viele „Na, das ist ja ein tolles Tutorial: Blende zwischen 3.5 und 18, und die Zeit soll ich nach Gefühl wählen, da bin ich doch so schlau wie vorher.“
Die Blende variiert je nach dem welcher Effekt geschossen wird. Ihr müsst dafür keine Hellseher sein, sondern beobachten welche Farben und mit welcher Leuchtkraft diese in den Himmel gezaubert werden.

Ein Feuerwerk ist meistens so aufgebaut, dass ein Feuerwerksbild 2-3 Mal hinter einander geschossen wird, so könnt ihr reagieren und die passende Einstellung finden.
Als Anhaltspunkt gilt: Je heller die Feuerwerkseffekte, desto kleiner wählt ihr die Blende (hohe Blendenzahl) und umgekehrt. Bei dunkel blauen/ lila Feuerwerkskörpern wird meistens eine Blende von 8-11 gewählt.

Feuerwerksfotografie
Iso 100 – f/ 9.0 – 3.0 Sek. @24mm (KB)

Bei Goldfarbenden Effekten wählt ihr eine Blende zwischen 3.5 und 8, wobei goldene Trauerweiden oder ähnliches immer sehr schwer zu fotografieren sind. Hier kann es auch sinnvoll sein die Iso-Empfindlichkeit zu erhöhen.

Feuerwerkfoto
Iso 400 – f/ 8.0 – 9.0 Sek. @17mm (KB)

Bei hellen Farbtönen arbeitet ihr am besten mit Blende 11 bis 18.

Feuerwerksfotografie in NRW
Iso 100 – f/ 18.0 – 7.0 Sek. @24mm (KB)

Man bekommt dafür recht schnell ein Gespür und kann sich auf den nächsten wichtigen Punkt konzentrieren.

Die Belichtungszeit wählt ihr durch festhalten des (Fern-)Auslösers, dabei müsst ihr schauen, dass nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Feuerwerkseffekte auf dem Bild sind. Haltet ihr den Auslöser zu lange gedrückt, so kann das Foto zu hell und/ oder zu unruhig werden. Ihr merkt schon, es ist „learning by doing“ angesagt.

Fotos sichten und bearbeiten

Wieder zu Hause angekommen, kopiert ihr die Fotos auf den Rechner und sortiert großzügig aus, denn es zählt Klasse statt Masse! 5-6 brauchbare Aufnahmen sind bei einem 15-Minuten-Feuerwerk schon sehr gut. Diese Fotoauswahl könnt ihr im Raw-Konverter eures Vertrauens bearbeiten und letztendlich als jpeg konvertieren. Ich nutze dafür Adobe Lightroom und komme mit recht wenig Bearbeitungsschritten aus: Je nach Bild versuche ich die Lichter zu „retten“, Schatten leicht aufzuhellen bzw. korrigiere die Belichtung und wähle den Ausschnitt. Ich denke hier hat jeder seine eigene Methode und man kann nicht allzu viel falsch machen.

Fazit

Ich hoffe euch hat das Lesen Spaß gemacht und ihr fühlt euch nun in der Lage das nächste Feuerwerk bei euch auf der Kirmes, Stadtfest oder sonst wo zu fotografieren. Und immer dran denken, Ausnahmen bestätigen die Regel ; ) Ich habe auch schon Feuerwerke mit 50mm-Festbrennweite fotografiert. Falls ihr noch Fragen oder Ergänzungen habt, würde ich mich sehr über eure Anregungen freuen!