Wie fotografiere ich am besten Feuerwerk?

Feuerwerk fotografieren gehört bereits seit über 20 Jahren zu meiner großen Leidenschaft. Mit dieser Anleitung möchte ich euch Tipps geben wie man gute Feuerwerkfotos macht. Ich wurde schon oft gefragt wie ich meine Feuerwerksbilder so gut hinbekomme. Die technischen Einstellungen sind die Basis und die Erfahrung durch viele Feuerwerke machen es am Ende aus. In diesem Beitrag helfe ich ich euch Schritt für Schritt weiter!

Feuerwerk in Berlin

Wo kann ich ein Feuerwerk fotografieren?

Bevor wir ein Feuerwerk fotografieren, brauchen wir natürlich erst ein Mal ein Feuerwerk, daher empfehle ich euch den Feuerwerk-Kalender. Hier kannst du sehen wo und wann ein Feuerwerk in Deutschland stattfindet. Sicher gibt es bald auch ein Feuerwerk in deiner Nähe. Falls nicht, musst du eventuell eine weitere Anfahrt in Kauf nehmen, meistens wird man mit einem farbenprächtigen Ereignis belohnt! Gute Chancen auf ein Feuerwerk hat man bei einem Stadtfest, einer Kirmes oder großen Festivals. Besonders lohnenswert sind spezielle Feuerwerkswettbewerbe. Bei solchen Wettbewerben hat man teilweise sogar die Chance auf internationale Feuerwerksfirmen. Die Firmen nutzen solche Events oft für die Eigenwerbung um große internationale Aufträge zu bekommen. Aus diesem Grund ist das Budget für sehr gute Feuerwerkskörper viel höher als zum Beispiel für ein Kirmesfeuerwerk. Kirmesfeuerwerk werden oft von den Schaustellern bezahlt und die eingesetzte Ware ist sehr billig. Das macht sich bei den Farben stark bemerkbar. Dazu später mehr.

Der frühe Vogel macht die guten Feuerwerkfotos

Bei der Feuerwerksfotografie ist es wichtig einen guten Standort zu wählen und somit ist es fast unverzichtbar vor anderen Zuschauern da zu sein. Wann ihr vor Ort sein müsst, hängt davon ab wie groß das Ereignis ist, ob mit gutem Wetter zu rechnen ist, usw. Nehmen wir als Beispiel „Rhein in Flammen“ in den Bonner Rheinauen (findet jeden ersten Samstag im Mai statt).

Bonner Rheinauen Publikum wartet auf Feuerwerk
Wer jetzt erst kommt, wird es schwer haben einen guten Fotoplatz zu finden

Das Feuerwerk beginnt dort meistens gegen 23.15 Uhr und mich trifft man dort ab ca. 17.00 Uhr an. Bedenkt bei der Standortwahl, dass viele Zuschauer erst kurz vorm Feuerwerk kommen und sich ggf. vor euch stellen, daher ist es ratsam etwas erhöht zu stehen oder wenn es das Weitwinkelobjektiv bzw. der Abstand zum Feuerwerksabbrennplatz es zulässt, in der ersten Reihe zu stehen.

Feuerwerk fotografieren – so geht’s

  • Kamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten
  • Weitwinkelobjektiv ( z.B. Canon 11-24mm )
  • Stativ
  • Kabelauslöser (kein Funkauslöser, da diese leicht verzögert auslösen)

TIPP: Eine Taschenlampe oder Stirnlampe ist sehr hilfreich beim Auf- und Abbau der Kameraausrüstung

Kameraeinstellungen um Feuerwerk zu fotografieren

  • Manueller Modus bzw. Bulb „B“
  • ISO 100
  • Blende zwischen 3.5 und 18
  • Verschlusszeit ca. 0,5 – 12 Sek. nach Gefühl wählen
  • manuell den Fokus auf unendlich stellen
  • RAW-Format für optimale Bildbearbeitung

Sicherlich denken sich nun viele „Na, das ist ja eine tolle Anleitung: Blende zwischen 3.5 und 18 und die Zeit soll ich nach Gefühl wählen, da bin ich doch so schlau wie vorher.“
Die Blende variiert je nachdem welcher Effekt geschossen wird. Ihr müsst dafür keine Hellseher sein, sondern beobachten welche Farben und mit welcher Leuchtkraft diese in den Himmel gezaubert werden.

Ein Feuerwerk ist meistens so aufgebaut, dass ein Feuerwerksbild 2-3 Mal hinter einander geschossen wird, so könnt ihr reagieren und die passende Einstellung finden.
Als Anhaltspunkt gilt: Je heller die Feuerwerkseffekte, desto kleiner wählt ihr die Blende (hohe Blendenzahl) und umgekehrt. Bei dunkel blauen/ lila Feuerwerkskörpern wird meistens eine Blende von 8-11 gewählt.

Feuerwerksfotografie
Iso 100 – f/ 9.0 – 3.0 Sek. @24mm (KB)

Bei Goldfarbenden Effekten wählt ihr eine Blende zwischen 3.5 und 8, wobei goldene Trauerweiden oder ähnliches immer sehr schwer zu fotografieren sind. Hier kann es auch sinnvoll sein die Iso-Empfindlichkeit zu erhöhen.

Feuerwerk in Gold fotografieren
Iso 400 – f/ 8.0 – 9.0 Sek. @17mm (KB)

Bei hellen Farbtönen arbeitet ihr am besten mit Blende 11 bis 18.

Feuerwerksfotografie in NRW
Iso 100 – f/ 18.0 – 7.0 Sek. @24mm (KB)

Man bekommt dafür recht schnell ein Gespür und kann sich auf den nächsten wichtigen Punkt konzentrieren.

Die Belichtungszeit wählt ihr durch festhalten des (Fern-)Auslösers, dabei müsst ihr schauen, dass nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Feuerwerkseffekte auf dem Bild sind. Haltet ihr den Auslöser zu lange gedrückt, so kann das Foto zu hell und/ oder zu unruhig werden. Ihr merkt schon, es ist „learning by doing“ angesagt.

Feuerwerkfotos sichten und bearbeiten

Wieder zu Hause angekommen, kopiert ihr die Fotos auf den Rechner und sortiert großzügig aus, denn es zählt Klasse statt Masse! 5-6 brauchbare Aufnahmen sind bei einem 15-Minuten-Feuerwerk schon sehr gut. Diese Fotoauswahl könnt ihr im Raw-Konverter eures Vertrauens bearbeiten und letztendlich als Jpg konvertieren. Ich nutze dafür Adobe Lightroom und komme mit recht wenig Bearbeitungsschritten aus: Je nach Bild versuche ich die Lichter zu „retten“, Schatten leicht aufzuhellen bzw. korrigiere die Belichtung und wähle den Ausschnitt.

Ich denke hier hat jeder seine eigene Methode und man kann nicht allzu viel falsch machen. Feuerwerk fotografieren ohne hochwertige Feuerwerkskörper, zeichnet sich dadurch aus, dass die Farben nicht so kräftig sind. Oftmals hat man dann in der Mitte des Effekts eine weiße Spur und nur außen ist Farbe sichtbar. Das liegt an den minderwertigen Chemikalien. Bei einem guten Feuerwerkswettbewerb werdet ihr sowas kaum sehen. Nur wenige Firmen stellen ihre Feuerwerkskörper noch selbst her. Das meiste kommt aus China, aber auch hier gibt es „teures“ und gutes Feuerwerk.

Zusammenfassung

Ich hoffe euch hat das Lesen Spaß gemacht und ihr fühlt euch nun in der Lage das nächste Feuerwerk bei euch auf der Kirmes, Stadtfest oder sonst wo zu fotografieren. Und immer dran denken, Ausnahmen bestätigen die Regel ; ) Ich habe auch schon Feuerwerke mit 50mm-Festbrennweite fotografiert. Falls ihr noch Fragen zum Thema Feuerwerk fotografieren habt, schreibt mir gerne.