Paintshop Pro günstige Alternative zu Lightroom und Co? Mein Workflow!

Bildbearbeitung und -verwaltung mit Lightroomund Co ist ein großes Thema bei Fotografen und unerlässlich für gute Bilder. Egal, ob im Hobby oder im Beruf, der Computer ist nicht wegzudenken. Ich teste eine günstige Alternative und möchte herausfinden wo die Vor- und Nachteile liegen.

Mein Workflow besteht zu 80% aus Adobe Lightroom. Stellenweise nutze ich dann noch Photoshop für Bearbeitungen, die komplexer sind bzw. in LR einfach zu umständlich wären oder dort nicht optimal funktionieren. Ich versuche annähernd gleiche Ergebnisse bei zwei verschiedenen Bildern zu erreichen. Zum einen mit Lightroom und Photoshop in Kombination, zum anderen mit Paintshop Pro 2018 von Corel. Die Bearbeitung beinhaltet die Detailausarbeitung in Lichtern und Schatten sowie ein paar Retuschearbeiten.

Dies sind die beiden Ausgangsbilder im Original:

Erste Schritte in Lightroom und Paintshop Pro

Fangen wir mit dem Bild des Hochzeitspaars an.
Hier beginne ich mit dem Lichter-Regler in Lightroom möglichst viele Details aus den Hellen Bildflächen, also in erster Linie dem Brautkleid, sichtbar zu machen. Dann ziehe ich mit dem Tiefen-Regler die Schatten des Tunnelbogens hoch und bringe auch hier Details ans Licht. Lightroom erweißt einem dort gewohnt viel Spielraum was die Raw Entwicklung angeht. Wie gut die Qualität des Endergebnisses ist, hängt natürlich auch stark von den Kameraeinstellungen und der verwendeten Kamera ab!

Ähnliche Bearbeitungsschritte versuche ich nun mit Paintshop Pro umzusetzen. Zunächst muss ich sagen, dass die Installation sehr einfach und schnell von Statten ging. Wenn man sich noch nicht sicher ist, kann man auch vorerst eine kostenlose Testversion für 30 Tage downloaden.
Auf den ersten Blick bietet die Software zum einen eine Funktion zum Verwalten und Organisieren der Bilder (ähnlich wie bei Lightroom). Eine weitere Ebene enthält aber auch zahlreiche Bearbeitungstools, die auf den ersten Blick an den Umfang von Photoshop erinnern. Zu aller erst öffne ich das Bild des Paares in dem Raw-Konverter von Paintshop. Dessen Funktionsumfang ist ein Bruchtteil von dem was Lighroom bietet. Man kann ein paar simple Grundeinstellungen, wie z.B. Weißabgleich und Sättigung, sowie eine Objektivkorrektur durchführen. Meiner Meinung nach sind die Einstellmöglichkeiten viel zu grob und das Ergebnis gefiel mir nicht gut.

Corel bietet für knapp 45€ direkt das Upgrade zu Aftershot Pro 3 an, welches deutlich mehr Möglichkeiten für die RAW Konvertierung bieten soll.

Nebenbei fällt mir auf, dass Paintshop Pro nicht so gut mit den Lichtern der Raw Datei umgehen kann und diese im unbearbeiteten Zustand deutlich stärker ausgebrannt sind, als das in Lightroom der Fall war. Geöffnet im „Bearbeiten“ Modus gibt es einige Hilfestellungen zu den Funktionen. Dies kann sehr nützlich sein, da die Oberfläche ähnlich komplex wie in Photoshop ist. Sicher ein Pluspunkt für Laien. Unter anderem gibt es ein sogenanntes Lernstudio, welches einem geeignete Tools vorschlägt, je nachdem was für eine Art von Bearbeitung man durchführen möchte. Zudem bietet Corel eine detaillierte Erklärung der Funktionen online an.

Die Bearbeitungen die in dem Raw Editor nicht möglich waren, kann ich später, nachdem ich das Bild im „Bearbeiten“ Fenster geöffnet habe, nachholen: Schatten aufhellen, Lichter abdunkeln, usw.

Die Entwicklung des zweiten Bildes hab ich für meinen konventionellen Workflow nur in Lightroom gemacht. Hauptziel war dort die Struktur in Himmel und Wolken zurückzuholen und ein paar störende Objekte auf dem Dach zu entfernen. Die selektive Bereichsreparatur ist dafür ausreichend und man kann damit sogar das Fenster mehr oder weniger unauffällig retuschieren. Solche Retuschen mache ich üblicherweise in Photoshop, da es dann viel genauer wird und man im Endergebnis nicht mehr erkennen kann, dass etwas geändert wurde.

Adobe hat auch hier wieder einen guten Job gemacht. Die Wolken und allgemein die Farben des Fotos kommen gut zur Geltung. Paintshop Pro hat wieder ein wenig Schwierigkeiten, die Lichter in den Wolken zu wahren. Wenn man jedoch weiß, wie man damit umgeht, dann stimmt auch dort das Endergebnis.

Retusche mit Paintshop Pro möglich?

Das erste Bild kann ein wenig Retuschearbeit vertragen. Ich finde den unruhigen Asphalt direkt hinter dem Kleid störend, deswegen bessere ich die Stellen aus. Da die automatischen Korrekturfunktionen das aber zu ungenau machen, wechsel ich dafür zu Photoshop. Hier kann man wunderbar mit dem Klonwerkzeug arbeiten. Genau so wie in Paintshop Pro. Die Objektentfernung hat auch teilweise sehr gut funktioniert, an anderen Stellen jedoch unbrauchbar. Für diese Stellen kann man das Klonwerkzeug sehr gut verwenden.

Vorher und Nachher in Photoshop:

Das hier sind die fertigen Ergebnisse von 1. und 3. Photoshop in Kombination mit Lightroom sowie 2. und 4. Paintshop Pro:

Stärken und Schwächen der Programme

Was mir insgesamt während der Bearbeitung aufgefallen ist, dass Paintshop Pro teilweise recht lange Ladepausen benötigt. Sei es für die Bildvorschau oder um die Datei zwischenzuspeichern. Das ist für Hobbyfotografen sicher zu verkraften, bremst jedoch den Workflow ein bisschen aus und als Berufsfotograf zählt jede Sekunde, wenn man bedenkt, dass ich im Jahr ca. 80.000 Fotos ansehe, bearbeite etc. Andererseits hat mich der Funktionsumfang der Software beeindruckt. Es gibt zahlreiche Tools für Anpassungen und Bildmontagen.

Lightroom (LR) bietet einen sehr großen Spielraum in der Raw-Entwicklung und ist in der Hinsicht sehr vielfältig. Ein Nachteil (aber auch Vorteil) von LR ist folgender: Das Programm ist für Raw-Dateien entwickelt und optimiert. Somit sind Hobbyfotografen, die sich mit Raw bisher noch nicht angefreundet haben, hier womöglich an der falschen Adresse. Weiterhin dürfte die Benutzeroberfläche für Neulinge erst einmal sehr unübersichtlich und überladen rüberkommen, was den Einstieg in Lightroom natürlich erschwert. Man muss jedoch sagen, dass enorm viele hilfreiche Tipps und Tutorials im Netz zu finden sind und so schnell Abhilfe geschaffen ist. Dies sind neben der teilweise trägen Performance (eine SSD-Festplatte ist daher ratsam) aber wahrscheinlich die einzigen wirklichen Nachteile von Lightroom. Photoshop´s einziger großer Nachteil ist die Funktionsüberhäufung, was die Arbeit in Anfängen sehr unübersichtlich machen kann.

Fazit

Wie steht´s denn nun um das Bildbearbeitungsprogramm von Corel? Nun ja, ich für meinen Teil möchte den Komfort und Funktionsumfang von Lightroom und Photoshop für die Arbeit als professioneller Fotografen nicht mehr missen. Angesichts des recht günstigen Preises ist Corel Paintshop Pro (2018) aber meiner Meinung nach ein durchaus interessantes Produkt. Ja, es hat seine Schwächen, wie die Performance und den Raw Editor, aber das sind für Hobbyfotografen und vielleicht auch Berufseinsteiger, die noch ein wenig auf den Geldbeutel achten müssen, wohl die Abstriche, die für den Kaufpreis gemacht werden müssen. Wie die meisten Programme, könnt ihr auch diese Software erst mal kostenlos testen und schauen, ob es euren Wünschen und Ansprüchen entspricht. Viel Spaß beim Bilder bearbeiten!